Jan von Werth Brunnen

Das Denkmal und der Brunnen Jan von Werth

Am 14. Juli 1884 wurde der Brunnen für Jan von Werth auf dem Kölner Alter Markt eingeweiht. In der Festschrift „100 Jahre Jan von Werth – Brunnen“ schrieb Günter Dahmen unter dem Titel „Geschichte und Geschichten“ unter anderem „Im 19. Jahrhundert gab es in Köln einen Verschönerungsverein, der sich aus bekannten Persönlichkeiten der Kölner „High Society“ zusammensetzte und der in der Lage war, den Kölner Stadtherren, wenn nötig mit Druck, zu empfehlen, wo was verschönert werden sollte.“

Die Stadtverwaltung nahm verschönernde Elemente natürlich gerne an, da sie ja als Geschenk vom Verschönerungsverein sehr preiswert waren. Im Jahre 1883 kam so der Kölner Verschönerungsverein mit dem Rat und dem Künstler Wilhelm Albermann überein, für 20.000 Mark auf dem Alter Markt einen Monumentalbrunnen zu schaffen. Er sollte den Jan von Werth darstellen, den erfolgreichen Reitergeneral aus dem Dreißigjährigen Krieg.. Da nun aber auf dem benachbarten Heumarkt schon ein Reiterdenkmal stand – „e Päd met nem Künning“, entschloss man sich, Jan von Werth ohne Pferd darzustellen, als Infanterist.

Anfang April 1884 wurde mit der Herstellung des Fundamentes begonnen und im Juni mit der Errichtung des Brunnens. Am 14. Juli 1884 wurde das Denkmal nach kurzer Bauzeit eingeweiht, vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Hermann Becker.

Bei seiner Einweihungsrede verschwieg Dr. Becker, dass die Aufstellung des Brunnens eine Notlösung war. Vorgesehen war ursprünglich eine Mariensäule, die – auch als Brunnen – an die Verkündigung des Dogmas der unbefleckten Empfängnis Mariens erinnern sollte. Doch von diesem Vorhaben rückte man ab, weil man die in Köln lebenden protestantischen Preußen nicht provozieren wollte. Die Mariensäule fand also aus diesem Grunde 1865 ihren Platz auf der Gereonsstraße, von wo sie nach dem 1. Weltkrieg umzog, auf den Gereonsdriesch.

An der Nord- und Südseite des Brunnens sind die Wehrhaftigkeit und Reinheit der Stadt dargestellt, der Kölner Bauer und die Kölner Jungfrau. An den Seiten sieht man Szenen aus der Legende: Den betrübten Jan, von Griet verschmäht, und Griet die Jan ihre Hand zum Gruß entgegenstreckt, als er als hochdekorierter Reitergeneral nach Köln zurückkommt.

Schon wenige Tage nach der Einweihung kamen die ersten Klagen besorgter Bürger: Die Jugend treibe ihr Unwesen am Brunnen treibe und nutze ihn als Pissoir und die „Maatwiever vum Alder Maat“ würden ihr „dreckelijes Kappesjemös“ im Brunnenwasser waschen. Der Oberbürgermeister bestimmte also, dass die im Rathaus stationierte Feuerwehrwache vier Wochen lang die Beaufsichtigung des Brunnens übernehmen solle.

Die Bitte der „Volkszeitung“, dass die Kölner Bevölkerung sich des Brunnens annehmen solle, war überflüssig. Schnell schlossen die Kölner Bürger das Denkmal in ihr Herz und die Legende um Jan und Griet lebte weiter im Kölner Volksmund. Die Kölschen Marktweiber, die damals jeden Tag auf dem Alter Markt ihre Waren anboten, achteten mit Argusaugen darauf, dass dem Denkmal und seinem Brunnen nichts Böses geschah.

Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass im Jahre 1890 „ihr“ Denkmal zu Werbezwecken missbraucht wurde. Der findige Bürstenfabrikant Maasen, der pfiffige Korbmacher Kitz und der geschäftstüchtige Schreiner Rösgen waren am Alter Markt ansässig und kamen auf die Idee, ihre Verkaufsartikel am Denkmal aufzustellen. So musste Jan neben seinem Schwert eine langstielige Klobürste halten, der Jungfrau hing man einen Korb um und der Kölner Bauer hielt in seiner Hand eine Billardkugel.

Als sich 1918 der Erste Weltkrieg seinem Ende zuneigte, beschloss die oberste Kriegsführung, Edelmetalle zur Einschmelzung für Kanonen zu requirieren. Auch Köln sollte seinen Beitrag dazu leisten. Es wurde eine Liste mit allen Gegenständen aus Edelmetall aufgestellt; zahlreiche Glocken und Denkmäler waren betroffen. Die Ratsherren waren dann sehr erstaunt, als sie die Jan-Statue betrachteten und dabei feststellten, dass sie nicht aus Edelmetall bestand, sondern aus Stein gemeißelt war. So durfte der Jan an seinem Platz verbleiben.

Die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges ließen vom schönen, bunten Alter Markt nicht viel übrig. Es erschien wie ein kleines Wunder, dass unser Jan fast unversehrt geblieben war. Er wackelte zwar in seinen Grundfesten, doch er stand. Schon 1945/46 wurden erste Restaurierungsarbeiten am Denkmal durchgeführt, trotz kaum vorhandener Geldmittel. Das Reiter-Korps „Jan von Werth“ trug mit einem Stützgerüst maßgeblich dazu bei, dass der Jan durch ein Stützgerüst gesichert wurde.

Im Jahre 1953 musste die Figur des Jan abgenommen werden um die Sicherheit der Passanten nicht zu gefährden. Vorher aber beschloss der Denkmalsausschuss die Anfertigung einer Kopie der fünf Tonnen schweren Figur des Jan von Werth.

Das Reiterkorps Jan von Werth stellte 1954 auf seinem Sessionsorden die Frage: „Wo bes do Jan?“